Die Psittakose, umgangssprachlich Papageienkrankheit, ist eine bakterielle Infektion durch Chlamydia psittaci. Sie ist aus zwei Gründen besonders: Erstens ist sie eine Zoonose, sie kann also auf den Menschen übergehen und dort eine Lungenentzündung auslösen. Zweitens tragen viele Vögel den Erreger, ohne selbst krank zu wirken, und stecken trotzdem andere an. Die häufigste Verlaufsform bei erwachsenen Vögeln ist die, bei der man äußerlich gar nichts sieht. Die gute Nachricht: Mit Antibiotika ist die Psittakose behandelbar.
- Erreger ist das Bakterium Chlamydia psittaci. Bei anderen Vogelarten heißt dieselbe Krankheit Ornithose.
- Übertragen wird sie meist über eingeatmeten, getrockneten Kotstaub, auch von scheinbar gesunden Vögeln.
- Die Psittakose ist auf Menschen übertragbar und in Deutschland meldepflichtig.
- Nachgewiesen wird sie über eine PCR, also den direkten Nachweis des Erbguts der Erreger, nicht über Antikörper.
- Behandelt wird mit Antibiotika über mehrere Wochen, und zwar bei allen Vögeln im Haushalt.

Ratgeber-Inhalt
Was ist die Psittakose?
Die Psittakose ist eine Infektionskrankheit, ausgelöst durch das Bakterium Chlamydia psittaci (früher auch Chlamydophila psittaci genannt). Es lebt innerhalb der Körperzellen seines Wirts, was die Diagnose und die Behandlung anspruchsvoll macht. Befällt der Erreger Papageien und Sittiche, spricht man von Psittakose. Trifft er andere Vögel, etwa Tauben, Finken oder Nutzgeflügel, nennt man dieselbe Erkrankung Ornithose. Wissenschaftlich ist es ein und dieselbe Krankheit mit demselben Erreger, die Begriffe sind historisch gewachsen.
Der Erreger ist weit verbreitet und wurde bei rund 140 Vogelarten nachgewiesen. Er befällt vor allem die Atemwege, kann sich aber im ganzen Körper ausbreiten und Leber, Milz und andere Organe angreifen.
Wie sich Vögel anstecken
Der klassische Weg führt über die Luft: Der Kot eines infizierten Vogels trocknet ein, wird zu Staub und gelangt als Aerosol in die Atemwege anderer Vögel. Auch Federstaub sowie Augen- und Nasensekret können den Erreger übertragen.
Und hier liegt das eigentliche Problem: Viele infizierte Vögel wirken vollkommen gesund. Die häufigste Verlaufsform bei erwachsenen Vögeln ist die stille, anhaltende Infektion ohne sichtbare Symptome. Diese Tiere scheiden den Erreger trotzdem aus und stecken andere an. Man nennt sie stumme Überträger oder latente Ausscheider.
Typischerweise bricht die Krankheit dann aus, wenn sich etwas verändert und die Vögel unter Stress geraten: ein neu gekaufter Vogel zieht ein, ein fremder Vogel kommt in Pflege, ein Ausstellungsbesuch, ein Umzug. Der Stress schwächt das Immunsystem, und die schlummernde Infektion wird aktiv. Genau deshalb ist eine Quarantäne für neu einziehende Vögel so sinnvoll.
Symptome beim Vogel
Die Psittakose hat kein eindeutiges Erkennungszeichen, und das macht sie tückisch. Die Symptome sind unspezifisch und könnten auf viele andere Vogelkrankheiten hindeuten. Typisch sind:
Allgemeine Schwäche: Der Vogel wirkt apathisch, sitzt aufgeplustert da, ist weniger aktiv.
Fressverhalten und Gewicht: Er frisst weniger und magert ab.
Gefieder: struppig, ungepflegt.
Verdauung: Durchfall, oft mit veränderter Kotfarbe.
Augen und Nase: Ausfluss, verklebte Augen, Bindehautentzündung.
Atmung: Atemgeräusche, erschwerte Atmung, Niesen.
Der Verlauf reicht von der stillen Infektion ohne jedes Symptom über einen schleichenden, chronischen Verlauf bis zu schweren akuten Fällen, bei denen ein Vogel schon kurz nach der Ansteckung verstirbt. Junge und geschwächte Vögel trifft es besonders hart.
Gefahr für den Menschen: die Zoonose
Die Psittakose ist eine Zoonose, sie kann also vom Tier auf den Menschen übergehen. Der Weg ist derselbe wie beim Vogel: über eingeatmeten Kotstaub oder Federstaub, zum Beispiel beim Käfigreinigen. Das Robert Koch-Institut weist ausdrücklich darauf hin, dass schon ein kurzer Kontakt mit kontaminiertem Staub für eine Infektion ausreichen kann. Von Mensch zu Mensch wird die Psittakose dagegen nur sehr selten übertragen.
Beim Menschen liegen zwischen Ansteckung und ersten Beschwerden meist rund fünf bis vierzehn Tage. Die Erkrankung beginnt oft grippeähnlich mit Fieber, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und trockenem Husten und kann sich zu einer atypischen Lungenentzündung entwickeln. Schwere Verläufe kommen vor, gerade bei älteren Menschen und bei Vorerkrankungen. Behandelt wird sie ärztlich mit Antibiotika, in der Regel Doxycyclin, meist über etwa zehn bis einundzwanzig Tage.
Meldepflicht: Was in Deutschland gilt
Hier kursieren viele veraltete Angaben, deshalb der aktuelle Stand. Die frühere Psittakose-Verordnung wurde 2012 aufgehoben, die Anzeigepflicht bereits 2011. Damit sind die alten Pflichten aus dem Tierseuchenrecht entfallen, also die Kennzeichnungs- und Beringungspflicht, die Buchführungspflicht und die Pflicht, einen Quarantäneraum vorzuhalten. Viele Ratgeber im Netz zitieren diese Verordnung noch immer, als würde sie gelten.
Was weiterhin gilt: Die Psittakose wurde in die Liste der meldepflichtigen Tierkrankheiten überführt. Wird sie festgestellt, meldet das untersuchende Labor oder der behandelnde Tierarzt das der zuständigen Veterinärbehörde. Diese Meldung läuft also über die Fachleute, du musst als Halter nicht selbst zum Amt.
Beim Menschen ist der Nachweis von Chlamydia psittaci nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig, auch das übernimmt das Labor.
Für dich als Halter heißt das praktisch: Du musst keine Behörde fürchten, aber du solltest den Verdacht ernst nehmen und abklären lassen. Welche Maßnahmen im Einzelfall sinnvoll oder nötig sind, entscheidet die zuständige Veterinärbehörde gemeinsam mit deinem Tierarzt.
Diagnose: der PCR-Nachweis
Weil die Symptome so unspezifisch sind, ist die Vorgeschichte für den Tierarzt besonders wichtig: Kam ein neuer Vogel dazu? Gab es Kontakt zu fremden Vögeln oder einen Ausstellungsbesuch? Diese Fragen führen oft auf die richtige Spur.
Nachgewiesen wird der Erreger über eine PCR, also den direkten Nachweis des Erbguts von Chlamydia psittaci. Untersucht werden Kotproben, Kloakenabstriche sowie Abstriche von Kropf oder Lidbindehaut. Wichtig zu wissen: Ein Antikörpertest reicht beim Vogel nicht aus, es muss der Erreger selbst nachgewiesen werden.
Ein weiterer Punkt, der viele Halter verunsichert: Ein negatives Ergebnis schließt eine Infektion nicht sicher aus. Vögel scheiden den Erreger nicht durchgehend aus, sondern in Schüben. Deshalb wird oft eine Sammelkotprobe über mehrere Tage untersucht, und bei begründetem Verdacht behandelt ein Tierarzt manchmal auch trotz negativem Befund vorsorglich.
Behandlung mit Antibiotika
Die gute Nachricht zuerst: Die Psittakose ist behandelbar. Eingesetzt werden Antibiotika aus der Gruppe der Tetrazykline, meist Doxycyclin, je nach Fall über den Schnabel, über das Trinkwasser oder als Injektion. Bei der Behandlung kommt es auf ein paar Punkte an, die den Erfolg entscheiden:
Die Behandlung dauert lange. Anders als bei vielen anderen Infektionen läuft sie über mehrere Wochen, häufig rund 30 bis 45 Tage. Sie darf auf keinen Fall vorzeitig abgebrochen werden, sonst droht ein schwerer Rückfall.
Alle Vögel im Haushalt werden behandelt, nicht nur der auffällige. Wegen der stummen Ausscheider ist das entscheidend, sonst steckt sich der behandelte Vogel danach einfach wieder an.
Kalk und Grit müssen währenddessen raus. Kalkhaltige Futtermittel, Kalksteine und Grit können die Wirkung von Doxycyclin herabsetzen. Sie gehören für die Dauer der Behandlung aus dem Käfig.
Die Umgebung wird desinfiziert, und nach Abschluss der Behandlung kontrolliert der Tierarzt den Kot noch einmal, um sicherzugehen, dass der Erreger weg ist.
Ehrlich gesagt gibt es dabei zwei Einschränkungen: Ein Vogel kann sich erneut anstecken, eine überstandene Psittakose schützt also nicht dauerhaft. Und in manchen Fällen schlägt die Behandlung nicht wie erhofft an. Deshalb bleibt die Vorbeugung so wichtig.
Was die Behandlung kostet
Bei der Psittakose kommen zwei Kostentreiber zusammen: die aufwendige Labordiagnostik und die Tatsache, dass alle Vögel im Haushalt behandelt werden müssen. Tierärzte rechnen nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) ab, vogelkundige Praxen oft im höheren Satz, weil die Untersuchung eines Vogels aufwendiger ist. Die Werte sind Orientierungsgrößen.
| Leistung | Typische Kosten (Orientierung) |
|---|---|
| Allgemeine Untersuchung beim vogelkundigen Tierarzt | ca. 30 bis 70 € |
| Chlamydien-Test (PCR) | ca. 40 bis 80 € |
| Kropfabstrich | ca. 35 bis 75 € |
| Blutbild inklusive Labor | ca. 70 bis 140 € |
| Antibiotika über 30 bis 45 Tage | laufende Medikamentenkosten über Wochen |
| Behandlung aller Vögel im Haushalt plus Kontrollen danach | die Kosten fallen pro Tier an und summieren sich |
Bei einem Einzelvogel bleibt das überschaubar. Wer aber mehrere Papageien hält, und das ist bei diesen hochsozialen Tieren die Regel, zahlt Diagnostik und Behandlung mehrfach.
Labordiagnostik, wochenlange Antibiotika und alle Vögel behandeln: Eine passende Absicherung fängt das ab.
Vorsorge und Hygiene
Weil so viele Vögel den Erreger unbemerkt tragen, ist Vorbeugung hier besonders wirksam.
Neue Vögel vorher testen und in Quarantäne halten. Das ist die wichtigste Maßnahme überhaupt. Die Quarantänepflicht ist zwar rechtlich entfallen, fachlich bleibt sie aber dringend empfohlen. Lass einen neuen Vogel vor dem Zusammenführen von einem vogelkundigen Tierarzt untersuchen und auf Chlamydien testen.
Feucht reinigen statt trocken. Kotstaub ist der Hauptübertragungsweg. Feucht wischen statt fegen, und bei größeren Reinigungsaktionen oder bei Verdacht einen Mund-Nasen-Schutz tragen.
Stress vermeiden. Stress reaktiviert schlummernde Infektionen. Genug Platz, Gesellschaft, Ruhe und ein fester Alltag stärken das Immunsystem.
Gute Belüftung und regelmäßige Checks. Frische Luft senkt die Erregerkonzentration, ein jährlicher Vorsorgetermin beim Vogelkundigen fängt vieles früh ab.
Der teuerste Fehler bei der Psittakose passiert nicht in der Behandlung, sondern beim Einzug eines neuen Vogels. Ein scheinbar kerngesunder Neuzugang kann den Erreger mitbringen und den ganzen Bestand anstecken, und dann behandelst du plötzlich vier Vögel wochenlang statt keinen. Der Untersuchungstermin vor dem Zusammenführen kostet einen Bruchteil davon. Und wenn du selbst mit Fieber und Husten beim Arzt sitzt: Sag, dass du Vögel hältst. Das ist die eine Information, die er von allein nicht hat.
Papagei absichern: Kleintier- und Vogelversicherung
Die Psittakose ist ein gutes Beispiel dafür, warum bei Vögeln ein reiner OP-Schutz oft nicht genügt. Operiert wird hier nämlich gar nicht. Was anfällt, sind Untersuchung, Labordiagnostik, Medikamente über Wochen und Kontrollen danach, und das für jeden Vogel im Haushalt. Abgedeckt wird so etwas nur von einem Krankenvollschutz, der je nach Tarif ambulante Behandlung, Diagnostik und Medikamente übernimmt.
Achte beim Vergleich darauf, ob Labordiagnostik wie eine PCR erstattet wird, ob Medikamente enthalten sind, bis zu welchem GOT-Satz geleistet wird, wie hoch die Jahreshöchstgrenze ist, welche Selbstbeteiligung (der Anteil, den du je Rechnung selbst trägst) und welche Wartezeiten (die Frist nach Vertragsbeginn, in der noch nicht geleistet wird) gelten. Wichtig bei Vögeln ist außerdem die freie Tierarztwahl, damit auch die vogelkundige Praxis erstattet wird. Und wenn du mehrere Vögel hältst, lohnt der Blick darauf, wie sich mehrere Tiere absichern lassen.
Und ehrlich gesagt: Ist die Erkrankung bei Vertragsabschluss schon bekannt, gilt sie als Vorerkrankung und ist in der Regel ausgeschlossen. Ein früher Abschluss beim gesunden Vogel lohnt sich also.
Wir bei hey malu. sind dein Spezialist für Tierversicherungen und vergleichen für dich, wir sind selbst kein Versicherer. Schau dir unsere Kleintierversicherungen an oder lass dich in einer persönlichen Beratung unterstützen. Einen Überblick über weitere Krankheitsbilder findest du im Ratgeber zu Papageien-Krankheiten, und zur zweiten großen Atemwegserkrankung im Ratgeber zur Aspergillose beim Papagei.
Häufige Fragen zur Psittakose
Ist die Psittakose auf Menschen übertragbar?
Ja. Die Psittakose ist eine Zoonose und geht über eingeatmeten Kot- oder Federstaub auf den Menschen über, zum Beispiel beim Käfigreinigen. Beim Menschen löst sie grippeähnliche Beschwerden und teils eine Lungenentzündung aus. Von Mensch zu Mensch wird sie nur sehr selten übertragen. Wenn du Vögel hältst und mit Fieber und Husten zum Arzt gehst, erwähne das unbedingt.
Ist die Psittakose meldepflichtig?
Ja. Die alte Psittakose-Verordnung wurde 2012 aufgehoben, die Krankheit wurde aber in die Liste der meldepflichtigen Tierkrankheiten überführt. Der behandelnde Tierarzt oder das Labor meldet einen Nachweis der zuständigen Veterinärbehörde. Beim Menschen ist der Erregernachweis nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig.
Kann mein Papagei die Psittakose haben, ohne krank zu wirken?
Ja, und das ist das Kernproblem. Die häufigste Verlaufsform bei erwachsenen Vögeln ist die stille Infektion ohne sichtbare Symptome. Diese Vögel scheiden den Erreger trotzdem aus und können andere anstecken. Ausbrüche folgen deshalb oft auf Stress, etwa den Einzug eines neuen Vogels.
Wie wird die Psittakose behandelt?
Mit Antibiotika aus der Gruppe der Tetrazykline, meist Doxycyclin, über mehrere Wochen, häufig rund 30 bis 45 Tage. Behandelt werden immer alle Vögel im Haushalt. Kalksteine, Grit und kalkhaltiges Futter müssen währenddessen aus dem Käfig, weil sie die Wirkung herabsetzen. Nach Abschluss kontrolliert der Tierarzt den Kot.
Ist die Psittakose heilbar?
Sie ist in vielen Fällen gut behandelbar, wenn die Therapie konsequent und lange genug durchgeführt wird. Eine überstandene Infektion schützt aber nicht dauerhaft, ein Vogel kann sich erneut anstecken. Deshalb bleiben Hygiene und die Untersuchung neuer Vögel wichtig.

Sichere deine Vögel ab, solange sie gesund sind
Diagnostik, wochenlange Antibiotika und die Behandlung aller Vögel im Haushalt: Bei der Psittakose summiert sich einiges. Wir vergleichen für dich die passenden Tarife, damit du im Ernstfall an deine Vögel denkst und nicht an die Rechnung.