Die Pyometra, auf Deutsch Gebärmutterentzündung, ist eine der gefährlichsten Erkrankungen bei nicht kastrierten Hündinnen — und eine der heimtückischsten. Sie kommt nicht während der Läufigkeit, sondern typischerweise vier bis acht Wochen danach, wenn niemand mehr damit rechnet. Und die gefährlichere der beiden Formen zeigt ausgerechnet das Symptom nicht, auf das alle achten: den Ausfluss. Dieser Ratgeber erklärt, woran du sie trotzdem erkennst, warum sie ein echter Notfall ist und wovon die Überlebenschancen abhängen.
- Eine Pyometra ist eine eitrige Gebärmutterentzündung. Sie betrifft fast nur nicht kastrierte Hündinnen.
- Sie tritt meist vier bis acht Wochen nach der Läufigkeit auf, oft bei Hündinnen ab dem mittleren Alter.
- Die offene Form zeigt Ausfluss. Die geschlossene Form zeigt keinen und ist deutlich gefährlicher.
- Die Behandlung der Wahl ist die Notoperation. Hausmittel gibt es nicht, Abwarten kostet Leben.
- Rechtzeitig operiert sind die Aussichten gut. Entscheidend ist, wie viel Zeit vergangen ist.

Ratgeber-Inhalt
Was eine Pyometra ist
Bei einer Pyometra sammelt sich Eiter in der Gebärmutter. Dahinter steckt kein Unfall und keine Ansteckung, sondern ein hormonelles Zusammenspiel.
Nach jeder Läufigkeit steht die Gebärmutter unter dem Einfluss von Progesteron. Dieses Hormon bereitet sie auf eine mögliche Trächtigkeit vor: Die Schleimhaut verdickt sich, Drüsen produzieren Sekret, und gleichzeitig wird die örtliche Abwehr heruntergefahren. Über viele Läufigkeiten hinweg verändert sich die Schleimhaut dauerhaft. Bakterien, die normalerweise harmlos in der Scheide sitzen, finden dann einen idealen Nährboden — und vermehren sich in einem Organ, das sich schlecht wehren kann und dessen Ausgang durch den geschlossenen Muttermund versperrt sein kann.
Das Ergebnis ist eine Gebärmutter, die sich mit Eiter füllt. Je nachdem, ob dieser Eiter abfließen kann oder nicht, entstehen zwei sehr unterschiedliche Krankheitsbilder.
Offen oder geschlossen: der entscheidende Unterschied
Das ist der wichtigste Abschnitt dieses Ratgebers, weil hier der häufigste und gefährlichste Irrtum liegt.
| Offene Pyometra | Geschlossene Pyometra | |
|---|---|---|
| Muttermund | geöffnet | verschlossen |
| Ausfluss | sichtbar, eitrig-schleimig bis blutig, oft übel riechend | keiner |
| Erkennung | meist früher, weil sichtbar | oft spät, weil unauffällig |
| Bauch | meist unauffällig | kann sich sichtbar wölben |
| Gefahr | ernst, aber Druck entweicht | deutlich höher — Eiter staut sich |
Symptome erkennen
Die Anzeichen sind zu Beginn unspezifisch, was die Erkrankung so tückisch macht. Der entscheidende Zusammenhang ist der zeitliche: Alles, was vier bis acht Wochen nach der Läufigkeit auffällt, gehört unter diesem Verdacht angesehen.
Vermehrtes Trinken und häufigeres Urinieren. Oft das allererste Zeichen und leicht zu übersehen. Wenn der Wassernapf plötzlich schneller leer ist als sonst, ist das ein Signal.
Mattigkeit und Rückzug. Die Hündin wirkt schlapp, hat weniger Lust auf Spaziergänge.
Appetitlosigkeit.
Fieber, in fortgeschrittenen Fällen auch Untertemperatur.
Erbrechen und Durchfall.
Ausfluss aus der Scheide, eitrig, schleimig oder blutig, häufig mit auffälligem Geruch. Nur bei der offenen Form.
Aufgeblähter, gespannter Bauch, vor allem bei der geschlossenen Form.
Vermehrtes Lecken im Genitalbereich.
Hecheln, schneller Puls, Kreislaufschwäche in fortgeschrittenen Fällen.
Wer besonders gefährdet ist
Nicht kastrierte Hündinnen — das ist die entscheidende Voraussetzung.
Ältere Hündinnen, weil sich die Gebärmutterschleimhaut über viele Läufigkeiten hinweg verändert. Das Risiko steigt mit jedem Zyklus.
Hündinnen, die nie geworfen haben, gelten als etwas häufiger betroffen.
Hündinnen nach Hormongaben zur Unterdrückung der Läufigkeit oder zum Trächtigkeitsabbruch. Solche Präparate erhöhen das Risiko deutlich und gehören ausschließlich in tierärztliche Hand.
Sehr selten kann auch ein Gebärmutterstumpf nach einer unvollständigen Kastration betroffen sein. Das ist ungewöhnlich, aber der Grund, warum auch bei kastrierten Hündinnen mit passenden Symptomen genau hingesehen wird.
Diagnose
In der Praxis geht es schnell, und das ist gut so. Zur Abklärung gehören:
Vorbericht und Untersuchung. Wann war die letzte Läufigkeit, Abtasten des Bauchs, Temperatur, Kreislauf.
Ultraschall. Die wichtigste Untersuchung. Die mit Flüssigkeit gefüllte Gebärmutter ist meist eindeutig zu sehen — auch dann, wenn kein Ausfluss vorhanden ist.
Blutuntersuchung. Zeigt die Entzündungsreaktion, den Allgemeinzustand und vor allem die Nierenwerte, die bei einer Pyometra in Mitleidenschaft gezogen werden können. Sie ist zugleich die Grundlage für die Narkoseplanung.
Röntgen ergänzend, wenn nötig.
Behandlung: die Operation
Die Behandlung der Wahl ist die operative Entfernung von Gebärmutter und Eierstöcken. Damit wird die Eiterquelle vollständig entfernt, und die Erkrankung kann nicht wiederkommen. Es ist derselbe Eingriff wie eine Kastration, nur unter Notfallbedingungen und an einem kranken Tier.
Weil die Hündin oft schon kreislaufinstabil ist, gehört einiges dazu: Infusionen zur Stabilisierung vor und während der Operation, Antibiotika, Schmerztherapie, Überwachung der Nierenwerte und meist ein stationärer Aufenthalt von einigen Tagen.
Und der wichtigste Punkt: Zeit ist der entscheidende Faktor. Eine Hündin, die früh operiert wird, ist ein anderer Fall als eine, bei der bereits eine Blutvergiftung oder eine Bauchfellentzündung besteht.
Gibt es eine Behandlung ohne Operation?
In seltenen, streng ausgewählten Fällen ja. Es existieren Medikamente, die den Muttermund öffnen und die Gebärmutter zum Entleeren bringen, kombiniert mit Antibiotika. Das kommt aber nur infrage, wenn mehrere Bedingungen zusammenkommen: eine offene Pyometra, eine junge Hündin in gutem Allgemeinzustand, ein dringender Zuchtwunsch und eine engmaschige tierärztliche Überwachung.
Hausmittel und Antibiotika: die klare Antwort
Weil danach oft gesucht wird, hier ohne Umschweife:
Es gibt keine Hausmittel gegen eine Pyometra. Keine Kräuter, keine Globuli, keine Spülung, keine abwartende Beobachtung. Eine eitergefüllte Gebärmutter entleert sich nicht von selbst und heilt nicht aus. Jede Stunde, die mit einem Hausmittel verstreicht, ist eine Stunde, in der sich der Zustand verschlechtern kann.
Antibiotika allein reichen nicht. Sie sind ein wichtiger Teil der Behandlung, aber sie erreichen den Eiter in der Gebärmutter nur unzureichend. Ein Antibiotikum kann die Symptome kurzzeitig verbessern und damit sogar täuschen — die Ursache bleibt. Antibiotika ersetzen die Operation nicht, sie begleiten sie.
Notoperation, stationärer Aufenthalt und Nachsorge summieren sich schnell. Wir vergleichen für dich, welcher Schutz das abdeckt.
Überlebenschancen: die ehrliche Einordnung
Diese Frage stellen sich die meisten mitten in der Nacht, und sie verdient eine klare Antwort.
Wird rechtzeitig operiert, sind die Aussichten gut. Die allermeisten Hündinnen, die früh in Behandlung kommen und bei denen der Kreislauf noch stabil ist, überstehen den Eingriff und werden wieder vollständig gesund. Da die Gebärmutter entfernt wird, ist die Erkrankung damit endgültig erledigt.
Die Prognose verschlechtert sich mit der Zeit. Kritisch wird es, wenn bereits eine Blutvergiftung besteht, die Nieren geschädigt sind, der Kreislauf zusammenbricht oder die Gebärmutter geplatzt ist und Eiter in die Bauchhöhle gelangt ist.
Alte Hündin: operieren oder nicht?
Das ist die schwerste Frage in diesem Zusammenhang, und sie kommt fast immer bei sehr alten Hündinnen auf, oft in Verbindung mit der Sorge vor der Narkose oder mit dem Gedanken ans Einschläfern. Deshalb hier ohne Beschönigung, aber mit dem nötigen Respekt.
Das Narkoserisiko im Alter ist real. Es steigt mit Vorerkrankungen an Herz, Nieren oder Leber, und eine Pyometra belastet den Kreislauf zusätzlich. Diese Sorge ist berechtigt.
Ohne Behandlung endet eine Pyometra jedoch fast immer tödlich, und der Verlauf ist für die Hündin nicht angenehm. Die Abwägung lautet deshalb in aller Regel nicht „Operation oder weiterleben wie bisher“, sondern „Operation mit erhöhtem Risiko oder ein absehbar schlechter Verlauf“.
Viele alte Hündinnen überstehen den Eingriff gut, gerade weil vorher ein Blutbild gemacht, der Kreislauf stabilisiert und die Narkose entsprechend angepasst wird. Was tatsächlich gegen eine Operation sprechen kann, sind schwere Begleiterkrankungen oder ein bereits sehr weit fortgeschrittener Zustand.
Was es kostet
Abgerechnet wird nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT), die für jede Leistung einen Rahmen vom einfachen bis zum dreifachen Satz vorsieht — im Notdienst vom zweifachen bis zum vierfachen, plus 50 Euro Notdienstgebühr. Über den dreifachen Satz hinaus darf auch außerhalb des Notdienstes abgerechnet werden, sofern das vorher schriftlich vereinbart wurde. Bei der Pyometra kommen mehrere Posten zusammen, die den Betrag deutlich über eine geplante Kastration heben:
| Kostenfaktor | Warum er ins Gewicht fällt |
|---|---|
| Notdienst | Der größte Preistreiber. Eine Pyometra wartet nicht bis zur Sprechstunde. |
| Diagnostik | Ultraschall, Blutbild, gegebenenfalls Röntgen. |
| Stabilisierung vor der OP | Infusionen, Kreislaufunterstützung bei geschwächten Hündinnen. |
| Operation und Narkose | Bauchhöhleneingriff mit Überwachung, nach Gewicht gestaffelt. |
| Stationärer Aufenthalt | Meist mehrere Tage mit Infusion und Überwachung. |
| Medikamente und Nachsorge | Antibiotika, Schmerzmittel, Kontrollen, Fäden ziehen. |
Einen Überblick über die Systematik dahinter findest du in unserem Ratgeber zu Hunde-OP-Kosten.
Vorbeugung
Es gibt bei dieser Erkrankung eine wirklich zuverlässige Vorbeugung: die Kastration. Wird die Gebärmutter entfernt, kann sich dort nichts mehr entzünden.
Das heißt nicht, dass jede Hündin kastriert werden sollte. Eine Kastration ist ein Eingriff mit eigenen Vor- und Nachteilen, die über die Pyometra hinausgehen — sie betreffen unter anderem Gewicht, Fell, Verhalten und andere Erkrankungen. Diese Abwägung gehört mit dem Tierarzt besprochen, unter Berücksichtigung von Alter, Rasse und Lebenssituation deiner Hündin. Ähnlich ist es beim Mammatumor, wo der Kastrationszeitpunkt das Risiko ebenfalls stark beeinflusst.
Was du unabhängig davon tun kannst:
Die Läufigkeiten notieren. Ein Datum im Kalender reicht. Es ist die wichtigste Information im Ernstfall.
In den Wochen danach genauer hinschauen. Trinkmenge, Appetit, Munterkeit.
Finger weg von Hormonpräparaten zur Läufigkeitsunterdrückung ohne klare tierärztliche Indikation.
Schreib dir das Datum jeder Läufigkeit in den Kalender. Das klingt banal, ist aber das Wirksamste, was du bei dieser Erkrankung tun kannst. Wenn deine Hündin sechs Wochen später anfängt, auffällig viel zu trinken, macht dieses eine Datum aus einem diffusen „irgendwas ist komisch“ einen konkreten Verdacht — und der bringt dich noch am selben Abend in die Praxis statt erst in drei Tagen. Genau diese drei Tage sind es, die bei der Pyometra über die Prognose entscheiden. Und wenn du unsicher bist: Lieber einmal umsonst hinfahren als einmal zu spät.
Pyometra und Versicherung: der ehrliche Blick
Bei kaum einer anderen Erkrankung fallen so viele teure Posten auf einmal an — Notdienst, Diagnostik, Operation, mehrere Tage stationär.
Die Operation deckt der OP-Schutz, samt der zugehörigen Vor- und Nachbehandlung innerhalb des vertraglich festgelegten Zeitraums.
Diagnostik, Medikamente und Behandlung ohne Operation sind Sache der Hundekrankenversicherung. Weil sie Operationen einschließt, ist sie hier die umfassendere Lösung.
Achte beim Vergleich besonders auf zwei Punkte: bis zu welchem GOT-Satz erstattet wird — im Notdienst darf bis zum vierfachen Satz abgerechnet werden, und ein Tarif mit niedrigerer Grenze lässt dich genau dann auf einem Teil sitzen — und ob der stationäre Aufenthalt mit abgedeckt ist.
Wir bei hey malu. versichern dich nicht selbst. Wir vergleichen für dich, welcher Tarif Notdienst, Operation und stationäre Behandlung im Ernstfall sinnvoll abdeckt. Weitere Themen findest du in unserem Hunde-Ratgeber.
Häufige Fragen zur Gebärmutterentzündung beim Hund
Wie hoch ist die Überlebenschance bei einer Gebärmutterentzündung?
Sie hängt fast ausschließlich davon ab, wie schnell behandelt wird. Wird die Hündin rechtzeitig operiert und ist der Kreislauf noch stabil, sind die Aussichten gut, und die Erkrankung kann nach der Entfernung der Gebärmutter nicht wiederkommen. Deutlich schlechter wird die Prognose, wenn bereits eine Blutvergiftung besteht, die Nieren geschädigt sind oder die Gebärmutter geplatzt ist. Der Unterschied zwischen guter und schlechter Prognose sind oft nur Stunden.
Was sind die ersten Symptome einer Pyometra?
Häufig zuerst vermehrtes Trinken und häufigeres Urinieren, dazu Mattigkeit und Appetitlosigkeit. Später kommen Fieber, Erbrechen, ein aufgeblähter Bauch und vermehrtes Lecken im Genitalbereich hinzu. Eitriger, schleimiger oder blutiger Ausfluss tritt nur bei der offenen Form auf. Entscheidend ist der zeitliche Zusammenhang: Die Pyometra zeigt sich typischerweise vier bis acht Wochen nach der Läufigkeit.
Gibt es Hausmittel gegen eine Gebärmutterentzündung beim Hund?
Nein. Eine eitergefüllte Gebärmutter entleert sich nicht von selbst und heilt nicht aus. Es gibt kein Kraut, kein homöopathisches Mittel und keine Spülung, die hier hilft. Auch Antibiotika allein reichen nicht, weil sie den Eiter in der Gebärmutter nur unzureichend erreichen — sie können die Symptome kurzzeitig bessern und damit täuschen, während die Ursache bestehen bleibt. Die Behandlung der Wahl ist die Operation.
Was ist der Unterschied zwischen offener und geschlossener Pyometra?
Bei der offenen Form ist der Muttermund geöffnet, der Eiter kann abfließen und ist als Ausfluss sichtbar. Bei der geschlossenen Form ist der Muttermund verschlossen, es gibt keinen Ausfluss, und der Eiter staut sich in der Gebärmutter. Die geschlossene Form ist deutlich gefährlicher, weil Blutvergiftung, Nierenschädigung und ein Platzen der Gebärmutter drohen. Fehlender Ausfluss ist deshalb kein Entwarnungszeichen.
Sollte man eine alte Hündin mit Pyometra noch operieren?
In den meisten Fällen ja. Das Narkoserisiko im Alter ist real und steigt mit Vorerkrankungen, doch ohne Behandlung endet eine Pyometra fast immer tödlich. Die Abwägung lautet also selten „operieren oder weiterleben wie bisher“. Viele alte Hündinnen überstehen den Eingriff gut, weil vorab ein Blutbild gemacht, der Kreislauf stabilisiert und die Narkose angepasst wird. Lass dir vom Tierarzt Kreislauf, Nierenwerte, Narkoserisiko und den realistischen Verlauf ohne Operation erklären und entscheide auf dieser Grundlage.

Damit im Notfall die Uhr zählt, nicht das Konto
Bei einer Pyometra kommen Notdienst, Diagnostik, Operation und mehrere Tage stationär zusammen. Wir vergleichen für dich, welcher Tarif das sinnvoll abdeckt und bis zu welchem GOT-Satz er zahlt — am besten, solange deine Hündin gesund ist.